Text: Benedikt Lass, Linnea Schipke

Viele Menschen interessieren sich für das Investieren an der Börse, zögern jedoch den ersten Schritt hinaus. Ein häufiger Grund dafür ist die Sorge, zum falschen Zeitpunkt einzusteigen. Kursschwankungen, wirtschaftliche Unsicherheiten und regelmäßige Schlagzeilen über Börsencrashs verunsichern viele Anleger. Ob die Finanzkrise 2008 oder der Corona-Crash im Jahr 2020: Immer wieder kam es zu erheblichen Kurseinbrüchen an den Kapitalmärkten. Gleichzeitig zeigt die Vergangenheit, dass sich die Märkte langfristig von solchen Rückschlägen erholen und schließlich neue Höchststände erreichen konnten.
Vor diesem Hintergrund kann der sogenannte Cost-Average-Effekt, auch Durchschnittskosteneffekt genannt, Anlegern den Einstieg erleichtern. Das Prinzip ist einfach: Statt einen größeren Betrag auf einmal zu investieren, wird regelmäßig ein fester Betrag angelegt, beispielsweise über einen Sparplan. Da die Kurse an den Börsen schwanken, werden bei niedrigen Kursen mehr und bei höheren Kursen weniger Anteile erworben. So entsteht im Laufe der Zeit ein durchschnittlicher Kaufpreis. Anleger müssen sich dadurch weniger Gedanken über den „richtigen“ Einstiegszeitpunkt machen und können unabhängig von kurzfristigen Marktentwicklungen kontinuierlich Vermögen aufbauen.
Ein einfaches Beispiel: Investiert ein Anleger jeden Monat 100 Euro in einen Fonds, erhält er bei einem Anteilspreis von 50 Euro zwei Anteile. Fällt der Kurs auf 25 Euro, können für denselben Betrag bereits vier Anteile erworben werden. So werden in schwächeren Marktphasen automatisch mehr Anteile gekauft, die bei einer späteren Markterholung von steigenden Kursen profitieren können.
Allerdings bedeutet das nicht, dass ein Sparplan grundsätzlich höhere Renditen erzielt als eine Einmalanlage. Befinden sich die Märkte über einen längeren Zeitraum überwiegend im Aufwärtstrend, kann es sogar vorteilhafter sein, einen größeren Betrag möglichst früh zu investieren. Die eigentliche Stärke des Cost- Average-Effekts liegt weniger in der Aussicht auf höhere Renditen als vielmehr in der Disziplin, die ein regelmäßiger Sparplan mit sich bringt. Regelmäßige Investitionen helfen dabei, Marktschwankungen gelassener zu begegnen und emotionale Entscheidungen zu vermeiden. Anstatt auf den vermeintlich perfekten Zeitpunkt zu warten, wird kontinuierlich investiert. Das kann den Einstieg in den langfristigen Vermögensaufbau deutlich erleichtern und verhindert, dass wichtige Anlageentscheidungen immer weiter aufgeschoben werden.
Die größte Gefahr für den Vermögensaufbau ist daher oft nicht die Schwankung an den Märkten selbst, sondern die Angst vor ihr. Wer sich aufgrund von Unsicherheit gar nicht erst mit dem Investieren beschäftigt, verzichtet möglicherweise auf wichtige Chancen. Der Cost-Average-Effekt bietet Anlegern einen einfachen Weg, trotz zwischenzeitlicher Kursschwankungen regelmäßig zu investieren und langfristig am Kapitalmarkt teilzuhaben.
Gerade für junge Menschen kann daher ein früher Spar-Start für den langfristigen Aufbau der eigenen Altersvorsorge wichtiger sein als die Suche nach dem perfekten Einstiegszeitpunkt.
Hinweis: Die Ausführungen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen.
Quellen:
● Deutsches Aktieninstitut (DAI): DAX-Rendite-Dreieck
● boerse.de: Durchschnittskosteneffekt – Definition und Erklärung
● boerse.de: Warum jeder Börsen-Crash ein Geschenk ist
● Ebert, S., Grote, M. & Laudenbach, C. (2019): Zum Rätsel der Aktienmarktteilnahme in Deutschland. Frankfurt School of Finance & Management.

Zum Autor:
Benedikt Lass arbeitet in der Verkaufsförderung Finanzdienstleistungen und beschäftigt sich insbesondere mit Themen rund um Vermögensaufbau, Investment und Immobilienfinanzierung.

Zur Autorin:
Linnea Schipke ist Werkstudentin in der Verkaufsförderung Finanzdienstleistungen und studiert Betriebswirtschaftslehre im Bachelor.
