Text: Annika Hohoff

Mit der sogenannten EUDI-Wallet steht eine grundlegende Neuerung bevor. Für Unternehmen lohnt es sich, die Entwicklung frühzeitig zu verfolgen. Denn die digitale Brieftasche wird nicht nur den Umgang mit Kunden verändern, sondern auch neue Chancen für effizientere Abläufe und Geschäftsmodelle eröffnen.
Was ist die EUDI-Wallet?
Die „European Digital Identity Wallet“ (EUDI-Wallet) ist eine digitale Brieftasche auf dem Smartphone. Sie ermöglicht es Nutzerinnen und Nutzern, ihre Identität sowie verschiedene persönliche Nachweise digital zu speichern und bei Bedarf vorzulegen. In der Wallet können beispielsweise ein digitaler Personalausweis, Führerschein oder weitere Dokumente hinterlegt werden. Diese fungieren als „digitale Zwillinge“ physischer Nachweise und lassen sich sowohl online als auch offline verwenden. Die Technologie basiert auf europäischen Vorgaben und verfolgt das Ziel, eine einheitliche digitale Identität in der gesamten EU bereitzustellen. Damit wird es möglich, sich grenzüberschreitend sicher auszuweisen und digitale Dienstleistungen einfacher zu nutzen.
Welche Vorteile bringt die digitale Brieftasche?
Für Unternehmen liegt der zentrale Nutzen vor allem in der sicheren und standardisierten Identifizierung von Kunden. Prozesse wie Vertragsabschlüsse, Kontoeröffnungen, Registrierungen in Online-Shops oder Altersnachweise können dadurch vollständig digital und rechtssicher abgewickelt werden. Gleichzeitig reduziert die EUDI-Wallet zusätzliche Identifikationsverfahren. Kunden können ihre Daten gezielt freigeben, wodurch Transaktionen schneller möglich sind. Unternehmen können darüber hinaus ihre Dienstleistungen leichter international anbieten, da die digitale Identität EU weit einheitlich nutzbar ist.
Was Unternehmen jetzt beachten sollten
Auch wenn die EUDI-Wallet in Deutschland voraussichtlich erst ab 2027 schrittweise eingeführt wird, ist es für Unternehmen sinnvoll, sich bereits heute mit den Auswirkungen auseinanderzusetzen. Dabei kann zunächst geprüft werden, an welchen Stellen im Unternehmen Identitätsprüfungen erforderlich sind und wie diese künftig durch Wallet basierte Verfahren effizienter gestaltet werden können.
Ebenso ist die technische Vorbereitung zu beachten. Die Integration entsprechender Schnittstellen und Systeme sollte frühzeitig angedacht werden, um später eine reibungslose Anbindung an das entstehende Wallet System zu gewährleisten. Außerdem ist es wichtig, die Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit zu bedenken, da Nutzer der App gezielt die jeweils notwendigen Informationen freigeben können.
Darüber hinaus eröffnet die digitale Brieftasche Möglichkeiten für innovative Geschäftsmodelle, etwa vollständig digitale Vertragsabschlüsse oder automatisierte Services. Unternehmen können diese Potenziale frühzeitig in ihre strategischen Überlegungen einbeziehen. Auch die Kommunikation gegenüber den Kunden spielt eine zentrale Rolle: Da die Nutzung der Wallet freiwillig bleibt, sollte Unternehmen klar vermitteln, welchen konkreten Mehrwert sie bietet, um eine breite Akzeptanz zu erreichen.

Zur Autorin:
Annika Hohoff ist Wirtschaftsmathematikerin und erstellt bei ihrem Arbeitgeber versicherungsmathematische Gutachten.
