Text: Karsten Martini

Warum Unternehmen jetzt ihre gewerblichen Sachversicherungen prüfen sollten
Der Frühling bringt neuen Schwung. Mit Inventur und Jahresabschluss sind die Bestände erfasst. Der Blick zurück ist getan. Jetzt heißt es nach vorne schauen und die Dinge neu angehen. Jetzt ist auch der ideale Zeitpunkt, um verstaubte Ordner zu öffnen und einmal in die eigenen Versicherungsunterlagen zu schauen. Denn dort lauert eines der größten Risiken, die viele Unternehmen unterschätzen: die Unterversicherung.
Ein Problem, das erst auffällt, wenn es längst zu spät ist.
Was bedeutet Unterversicherung eigentlich?
Unterversicherung ist ein Begriff aus der Sach- oder Schadensversicherung. Dort soll die vertraglich vereinbarte Versicherungssumme dem Versicherungswert, regelmäßig den Wiederherstellungs- oder Wiederbeschaffungskosten der versicherten Sachen im neuwertigen Zustand, entsprechen. Ist die Versicherungssumme niedriger als der tatsächliche Wert der versicherten Sachen, liegt eine Unterversicherung vor. Kommt es dann zu einem Schaden, ersetzt der Versicherer die Kosten nur anteilig. Je niedriger die Versicherungssumme im Verhältnis zum tatsächlichen Wert ist, desto geringer ist die Entschädigung.
Ein Beispiel:
Ist ein Gebäude 1.000.000 Euro wert, aber nur mit 700.000 Euro versichert, übernimmt der Versicherer im Schadensfall nur 70 % der Kosten – egal wie groß oder klein der Schaden ist.
Wie entsteht Unterversicherung?
Eine Unterversicherung entsteht häufig schleichend und über einen längeren Zeitraum. Es gibt einige typische Ursachen hierfür:
1. Wertsteigerung im Unternehmen
Investitionen in neue Maschinen, zusätzliche Einrichtung oder Modernisierungen erhöhen den Wert. Dann muss die Versicherungssumme angepasst werden. Passiert das nicht, entsteht eine Lücke mit möglichen finanziellen Folgen.
2. Bau- und Materialpreissteigerungen
Die Kosten für Reparaturen oder Wiederaufbau sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Die meisten Versicherungsverträge berücksichtigen bereits eine Anpassung an die allgemeine Preisentwicklung. Diese reicht in vielen Fällen aber nicht aus. Wer seine Summen länger nicht aktualisiert hat, liegt damit dann heute oft deutlich zu niedrig.
3. Schätzungen statt Berechnungen
„Das dürfte ungefähr passen“ ist ein häufiger Gedanke – und im Zweifel ein fataler Fehler. Damit liegt dann bereits bei Abschluss des Versicherungsvertrags eine Unterversicherung vor.
Hätten Sie es gewusst?
Sachversicherungen sind regelmäßig Neuwertversicherungen. Versichert ist damit also nicht der aktuellen Wert des Gegenstands (der durch Alter, Abnutzung oder Gebrauch regelmäßig sinkt), sondern der Preis, der erforderlich ist, um denselben Gegenstand heute neu zu kaufen. Das gilt zum Beispiel auch für Anlagen und Maschinen, die Sie gebraucht gekauft haben. Somit sind auch diese Sachen mit ihrem Neuwert in der Versicherungssumme zu berücksichtigen.
Warum Unterversicherung gefährlich ist
Unterversicherung ist keine Lappalie. Es ist ein Risiko für die Existenz des Unternehmens! Feuer-, Leitungswasser-, Sturm- oder Einbruchdiebstahlschäden sind selten klein. Oft stehen ganze Abläufe still. Dann muss ein Betrieb schnell wieder auf die Beine kommen. Wird die Entschädigung gekürzt:
● entstehen Liquiditätslücken
● verzögern sich Reparaturen
● drohen Produktions- und Umsatzausfälle
Wie lässt sich Unterversicherung vermeiden?
1. Regelmäßige Überprüfung von Werten und Versicherungssummen
Sind alle Werte noch aktuell? Nehmen Sie sich einmal im Jahr die Zeit! Viele Versicherer appellieren mit ihrer Beitragsrechnung an eine Überprüfung der Verträge und schicken Fragebögen mit
2. Automatische Summenanpassung und Gleitenden Neuwert vereinbaren
Die meisten Versicherungsverträge bieten Regelungen zur Anpassung der Versicherungssumme – zumindest an die allgemeine Preisentwicklung.
3. Unterversicherungsverzicht
Im Anschluss an eine standardisierte Wertermittlung und die Vereinbarung einer korrekten Versicherungssumme bieten einige Produkte den Verzicht auf die Anrechnung einer Unterversicherung an.
4. Investitionen sofort melden
Neue Maschinen, zusätzliche Lagerbestände oder Umbaumaßnahmen sind häufig gut überlegt und von langer Hand geplant. Dieser Prozess sollte immer auch eine Meldung an den Versicherer beinhalten.
Fazit
Eine Unterversicherung ist ein beachtliches Risiko. Mit einer regelmäßigen Prüfung der Versicherungssummen und den passenden Vertragsbausteinen lässt sie sich jedoch einfach vermeiden. Ein kleiner Blick in die Unterlagen kann im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert sein – und Ihrem Unternehmen langfristige Sicherheit bieten. Ihre Versicherungsagentur unterstützt Sie dabei, damit Sie stets optimal abgesichert sind.

Zum Autor:
Karsten Martini ist Versicherungsfachwirt. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Berufserfahrung im gewerblichen Sachversicherungsbereich, insbesondere in der Produktentwicklung und Vertriebsunterstützung.
