1/2026 Krankheitsbedingte Fehlzeiten: Einordnung, Ursachen und Handlungsoptionen

Text: Klara Falke

Gesundheit ist längst mehr als eine private Angelegenheit – sie ist zu einem gesamtgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Thema geworden. In der deutschen Innenpolitik wird aktuell intensiv darüber diskutiert, wie hoch krankheitsbedingte Fehlzeiten sind, welche Ursachen dahinterstehen und welche Rahmenbedingungen Arbeit gesund gestalten können. Im Mittelpunkt der Debatte stehen dabei Fragen nach Produktivität, sozialer Absicherung und der Verantwortung von Unternehmen und Staat. Unabhängig von politischen Lösungsansätzen zeigt sich: Krankheitstage sind kein Randthema mehr, sondern ein relevanter Faktor für Organisationen, Führungskräfte und Mitarbeitende gleichermaßen.

Vor diesem Hintergrund lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Zahlen der DAK-Gesundheit aus dem Jahr 2025 – und darauf, was sie konkret für den Arbeitsalltag in Unternehmen bedeuten.

Ein Blick auf die Zahlen

Stellen Sie sich vor: An einem durchschnittlichen Arbeitstag fehlen von 100 Beschäftigten etwas mehr als fünf – so sah es im Jahr 2025 in Deutschland aus. Im Laufe des Jahres war etwa jede zweite bis dritte erwerbstätige Person mindestens einmal krankgeschrieben, wobei die durchschnittliche Fehlzeit zwischen 19 und 24 Tagen lag. Die Zahl der Krankheitstage bleibt damit weiterhin auf einem hohen Niveau, ähnlich wie in den Jahren zuvor. In der aktuellen Diskussion geht es unter anderem darum, wie verlässlich die Statistiken wirklich sind und welche strukturellen Faktoren – wie eine steigende Arbeitsbelastung, demografische Veränderungen oder neue Wege der Krankmeldung – den Krankenstand beeinflussen. Für Unternehmen bedeutet das: Das öffentliche Interesse an diesem Thema nimmt zu, und damit wachsen auch die Erwartungen, aktiv gegenzusteuern.

Was macht Mitarbeitende krank?

Am häufigsten sind es Erkältungen, Grippe und andere Atemwegserkrankungen. Sie kommen jedes Jahr wieder – vor allem in den Wintermonaten. Direkt dahinter folgen psychische Belastungen wie Stress, Erschöpfung oder Depressionen. Auch Rückenprobleme, Gelenkschmerzen und andere Beschwerden des Bewegungsapparats spielen eine große Rolle. Sie entstehen oft durch langes Sitzen, körperlich schwere Arbeit oder fehlende Bewegung im Alltag.

Kurz krank oder lange weg?

Viele Krankmeldungen dauern nur wenige Tage. Über 70 Prozent enden nach spätestens einer Woche. Diese kurzen Ausfälle fallen im Alltag oft kaum auf. Anders ist es bei langen Erkrankungen. Sie sind seltener, machen aber fast die Hälfte aller Fehltage aus.

Gerade diese langen Ausfälle sind für kleine Unternehmen eine echte Herausforderung. Sie zeigen, wie wichtig Vorsorge ist – also frühzeitig etwas für die Gesundheit der Mitarbeitenden zu tun.

Warum Krankmelden sinnvoll sein kann

Krankheitstage sind nicht immer ein Zeichen von Schwäche oder mangelnder Motivation. Im Gegenteil: Es kann für Unternehmen sinnvoll sein, wenn Mitarbeitende sich bei Krankheit konsequent krankmelden. Wer krank zur Arbeit kommt, steckt andere an oder verschleppt die eigene Erkrankung. Das führt oft zu mehr Ausfällen im Team und zu längeren Krankheitszeiten. Kurz zu fehlen kann also helfen, größere Probleme zu vermeiden. Unternehmen, die Krankheitstage akzeptieren und offen damit umgehen, schützen damit nicht nur einzelne Mitarbeitende, sondern die Leistungsfähigkeit des gesamten Betriebs. Gesunde Krankheitstage bedeuten: rechtzeitig pausieren, vollständig genesen und danach wieder verlässlich einsatzfähig sein.

Um die Krankenzahlen somit langfristig zu reduzieren, geht es vielmehr darum die Gesundheit der Belegschaft präventiv zu fördern, damit niemand krank zur Arbeit kommt.

Was kleine Unternehmen konkret tun können

Gute Nachricht: Man braucht kein großes Budget und kein eigenes Gesundheitsprogramm. Oft reichen kleine Schritte mit großer Wirkung.

1. Bewegung im Alltag ermöglichen
Kurze Bewegungspausen, ein Spaziergang in der Mittagspause oder ein höhenverstellbarer Tisch – vieles lässt sich einfach umsetzen. Auch der Hinweis: „Steh zwischendurch mal auf“ kann schon helfen.

2. Über Belastungen sprechen
Fragen Sie nach, wenn jemand oft erschöpft wirkt. Nicht kontrollierend, sondern interessiert. Früh reden hilft, lange Ausfälle zu vermeiden.

3. Flexibel bleiben, wo es geht
Manchmal hilft schon ein späterer Arbeitsbeginn, ein ruhigerer Tag nach einer Krankmeldung oder die Möglichkeit, Aufgaben anzupassen.

    Die aktuellen Diskussionen zeigen: Krankheitstage entstehen nicht zufällig. Sie hängen mit der Arbeit und der Organisation im Betrieb zusammen. Unternehmen, die Gesundheit fest im Arbeitsalltag verankern, handeln vorausschauend und greifen ein Thema auf, das für alle immer wichtiger wird.

    Falls Sie mehr zu dem Thema lesen möchten, lohnt sich ein Blick in den Artikel 3/2025 „Mit klaren Kopf durch den Arbeitstag“.


    Zur Autorin:

    Klara Falke arbeitet in der Unternehmens- und Personalentwicklung und beschäftigt sich gerne mit Systemen und Menschen in Veränderungsprozessen.

    IGU e. V.